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Nantes: wie aus Kuhdung Kunst wird

news bild © Théo Mercier

Nantes, Frankeichs kreativer Geheimtipp an der Loire und Metropole im Taschenformat, verwandelt sich bis 6. September in ein Kunstmuseum unter freiem Himmel: Die 15. Ausgabe des jährlich stattfindenden Kunstfestivals "Le Voyage à Nantes" steht unter dem Motto "Die Erde" und eröffnet einen neuen Themenzyklus zu den vier Elementen. Internationale Künstlerinnen und Künstler setzen sich an öffentlichen Orten mit diesem für Ursprung und Leben stehenden Element auseinander und machen Nantes im Sommer 2026 zu einem der spannendsten Kulturziele Europas.

Eine Landschaft aus Sand und Fragmenten
So erschafft der Künstler Théo Mercier zum Beispiel eine großflächige Installation aus Sand, und das mitten auf der Place Graslin, dem eleganten Opernplatz der Stadt. Für ihn ist Sand Sinnbild von Zeit und Erinnerung. Die Idee des Wiederauftauchens durchzieht sein Werk, der Boden des Platzes scheint sich langsam zu heben. Nach und nach treten Fragmente und Ruinen hervor: architektonische Elemente des Platzes und der Oper, die wie verschüttete Erinnerungen wieder ans Licht gelangen. 

Das Weltall in uns: "Interstellar" wirft einen Blick auf unseren Planeten Erde 
Die Ausstellung "Interstellar - Réimaginer la terre" in der HAB Galerie auf der städtischen Insel in der Loire lädt bis zum 27. September dazu ein, die Erde aus einer ungewohnten Perspektive zu betrachten - nämlich durch die "Augen aus dem All". Im Zentrum der immersiven Ausstellung stehen zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Fotografie, Film, Installation und Design, die gemeinsam neue Sichtweisen auf unseren Planeten entwickeln und dabei seine Schönheit und Zerbrechlichkeit hervorheben. Ganz in Novalis' Sinne: "Wir träumen von Reisen durch das Weltall: Ist denn das Weltall nicht in uns?"

Barbara Schroeder: Von der Kuh zur Kunst
Auch eine deutsche Künstlerin ist in diesem Jahr vertreten: Barbara Schroeder gestaltet mit Erde und landwirtschaftlichen Erzeugnissen überdimensionale Skulpturen. Im Zentrum ihres Schaffens steht Kuhdung, den sie nicht als Abfall, sondern als fruchtbares und kulturell bedeutsames Material versteht. Für ihr Werk "Les Mistériennes" sammelte Schroeder im Jardin Extraordinaire Blätter und Samen, die sie zusammen mit Erde, Watte, Zement und Kuhmist zu drei bis vier Meter hohen Säulen auftürmt. Nach monatelanger Trocknung wirken sie wie versteinerte Erinnerungen an die Vegetation. Jede der insgesamt sechs Säulen trägt den Namen der jeweiligen Kuh, die ihren Beitrag dazu geleistet hat. Das Ensemble fügt sich harmonisch in die wilde, beinahe märchenhafte Landschaft des Gartens ein.

Caroline Le Méhauté gibt der Erde eine Stimme 
In der Ausstellung "Ce que la terre retient" ("Was die Erde in sich birgt") von Caroline Le Méhauté in der Passage Sainte-Croix können Besucherinnen und Besucher verschiedene Böden mit allen Sinnen erkunden. Die Künstlerin arbeitet unter anderem mit Torf aus Moorgebieten bei Nantes sowie Agrarböden: Biobauern stellen ihr Bodenproben zur Verfügung, aus denen Le Méhauté poetische "Porträts der Erde" schafft. In einer weiteren Arbeit verbindet sie Walderde mit Glas und empfindet so den unverwechselbaren Geruch feuchter Erde im Sommerregen nach. Neben der Wertschätzung der Böden thematisiert die Ausstellung auch deren Bedrohung durch intensive Landwirtschaft und Umweltverschmutzung. Als Geschenk gibt es für alle Samen von Gräsern und Pflanzen, um sich anschließend selbst künstlerisch auszuprobieren und kleine Flächen zu begrünen.

Weitere Informationen zum Kultursommer in Nantes finden sich auf der Website von Le Voyage à Nantes unter www.levoyageanantes.fr/

Die Winteredition mit ihrem charmanten Spiel aus Laternen- und Klanginstallationen folgt vom 23. November 2026 bis 3. Januar 2027.

Letzte Aktualisierung am 13.07.2026
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